13. August 1961

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“
Im Gedenken an den Beginn des Mauerbaus am 13. August 1961

 

Zwei Monate nach der Erklärung Ulbrichts wurde Berlin mit Stacheldraht und Betonblöcken geteilt. Im entsprechenden Befehl des Innenministeriums heißt es:

"... Der direkte S-Bahn-Verkehr … nach Westberlin … wird … eingestellt."

Für Fredersdorf-Vogelsdorf war das kein fernes Geschehen in der Großstadt, denn auch unsere Gemeinde war ab der Umsetzung ab 01:00 Uhr nachts betroffen. Endstation S-Bahn: Friedrichstraße.

So erlebte es auch Paul Knobel [1]. Seit 1958 saß er jeden Morgen in Fredersdorf in der ersten S-Bahn und fuhr zum Schlachthof nach Spandau – zwei Stunden hin und spät abends zwei Stunden zurück. In seinen Erinnerungen schreibt er zum Mauerbau:

„Sonst hätte ich vielleicht im Westteil der Hauptstadt Wurzeln geschlagen. Doch der 13. August 1961 machte alle Überlegungen überflüssig. Innerhalb von drei Tagen mußte ich mir bei Androhung beträchtlicher Strafen eine neue Arbeitsstelle suchen. Die Auswahl in meinem Beruf war nicht groß. Entweder Neuenhagener Fleischkombinat oder ab ins Zementwerk Rüdersdorf!

Zwischen den Bahnsteigen wuchs mit den Jahren eine Stahlwand, damit sich Ost und West nicht einmal mehr sehen konnten. Aus einer selbstverständlichen Fahrt zur Arbeit, zu Verwandten, zu Freunden wurde über Nacht eine Sackgasse. Und was in Berlin Mauer hieß, teilte entlang der Demarkationslinie bald ein ganzes Land.

28 Jahre später fielen diese unmenschlichen Grenzanlagen, weil die Menschen in der DDR ihre Angst überwanden und für ihre Freiheit auf die Straße gingen. Die Reaktion des überforderten DDR-Staatsapparates und eine günstige politische Situation führten dann zum Zwei-plus-Vier-Vertrag und zur Wiedervereinigung, ein historischer Glücksfall für unser Land.

Der 13. August erinnert daran, dass Freiheit und offene Grenzen keine Selbstverständlichkeit sind, sondern erkämpft wurden und weiter erhalten werden müssen – dass sie Schutz brauchen, wenn sie wieder infrage gestellt werden.

Wir gedenken an diesem Tag der vielen Opfer an Mauer und Demarkationslinie sowie all derer, die sich einem Unrechtsstaat entgegengestellt haben. Wir bekennen uns zur Verpflichtung, das Beste aus diesem historischen Glücksfall der Wiedervereinigung für unser Land zu machen.

 

[1] Paul Knobel, 1931-2016. Er kam 1953 als schlesischer Flüchtling über Umwege hierher. Weil er sich weigerte, in die SED einzutreten, fand er als Fleischer in der DDR keine Anstellung mehr und wurde zum Grenzgänger. 
Quelle: „Zeitzeugen berichten - Erinnerungen, Erfahrungen, Erlebnisse, Erkenntnisse“, herausgegeben von der Gemeinde Fredersdorf-Vogelsdorf und der Volkssolidarität Brandenburg e.V. - Ortsgruppe Fredersdorf, Erscheinungsjahr 1999 (Zitat aus dem Beitrag „Ein Schlesier auf der Flucht“, ohne Seitenangabe).

Wir bedanken uns bei Frau Dr. Petra Becker (Ortschronistin), welche die Erstellung dieses Beitrags unterstützt hat.

Die Berliner Mauer