Reformationstag
Freiheit, die verpflichtet
Genau diesen Abend wählte Martin Luther im Jahr 1517, um seine 95 Thesen an der Schlosskirche in Wittenberg zu veröffentlichen. Er kritisierte den Ablasshandel und stellte eine Frage, die bis heute aktuell ist:
Wer darf über das Gewissen eines Menschen bestimmen?
Luthers Antwort war, dass jeder Einzelne selbst Verantwortung vor Gott und vor seinem Gewissen trägt. Er übersetzte die Bibel ins Deutsche, damit jeder sie selbst lesen konnte. Damit gab er der Bildung, der deutschen Sprache und dem selbstständigen Denken einen enormen Schub. 22 Jahre darauf setzte sich in der Mark Brandenburg schließlich durch. Seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 ist der Reformationstag gesetzlicher Feiertag in Brandenburg.
Luther hat seine Vorstellung von Freiheit 1520 in einen berühmten Doppelsatz gefasst:
„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“
Das klingt erst einmal widersprüchlich, meint aber etwas sehr Einfaches: Freiheit ist kein Freibrief für Gleichgültigkeit. Wer frei ist, trägt Verantwortung für die anderen.
Auf dieses Menschenverständnis beruft sich die CDU mit ihrem „C“. Es geht dabei nicht um Kirchenzugehörigkeit. Es geht um die Überzeugung, dass jeder Mensch die unantastbare Würde hat, dass er selbst entscheiden darf und dass Eigenverantwortung und Zusammenhalt zusammengehören.
Unsere Freiheit ist kein Selbstläufer. Sie lebt davon, dass Menschen mitmachen: in Vereinen, bei der Feuerwehr, in der Nachbarschaftshilfe, in der Gemeindevertretung. Sie lebt auch davon, dass wir unsere Meinung offen sagen und die Meinung anderer respektvoll aushalten. In Zeiten der rauher werdenden töne lohnt sich der Blick zurück auf 1517. Damals hat jemand mit Argumenten gestritten und nicht mit Hass.
Wir wünschen allen Bürgerinnen und Bürgern in Fredersdorf-Vogelsdorf einen schönen Feiertag, ob mit Gottesdienstbesuch, Familienausflug oder Kürbislaterne.